New Work wird oft missverstanden als oberflächliche Wohlfühl-Maßnahme. Dabei steckt dahinter eine tiefgreifende, gesellschaftliche Vision, die weit über flexible Arbeitszeiten hinausgeht und eine grundlegende Neugestaltung der Arbeitswelt darstellt. Über diese Potentiale der Neugestaltung spricht Vera Starker mit Simona Deckers, sie ist Leadership Advisor und Gründerin von Shanti Company. Ihre Podcast-Reihe The Paths of Purpose Podcast behandelt Themen rund um Leadership, Innovation und Transformation. Hier treffen sich Gestalter, Gamechanger und starke Vorbilder, um ihre Erfahrungen und Perspektiven für eine neue Wirtschaft und überzeugenden Impact zu teilen. Es geht um mutige Visionen für die Zukunft: für Menschlichkeit und verantwortungsbewusstes Handeln mit Sinn und echtem Leadership.
Vera Starker, Wirtschaftspsychologin und Co-Founderin der Next Work Innovation Garage, wechselte als Juristin zur Organisationspsychologie, weil sie wissen wollte, woran Umstrukturierungen scheitern. Ihre Erfahrung war, dass selbst bei juristisch perfekten Fusionen Menschen einfach nicht zusammenarbeiten wollten und in den Widerstand gingen. Anstatt Mitarbeiterwiderstand zu bekämpfen, ergründet der New Work Ansatz die Logik hinter dem Widerstand. Und versucht Menschen zu verstehen, die bereits gescheiterte Veränderungsprozesse erlebt haben, und deshalb völlig berechtigt skeptisch reagieren.
Dabei wird gerade das Arbeiten mit den unbewussten und emotionalen Prozessen zum Gamechanger. Hypnosystemische Methoden revolutionieren die Organisationsentwicklung, weil sie die unbewussten Prozesse der Mitarbeiter untersuchen und ermöglicht, die Logik hinter scheinbar widersprüchlichem Verhalten zu verstehen, anstatt sie zu kritisieren. Auch Führungskräfte werden bei diesem Ansatz bereits vor Veränderungsprozessen auf ihre tatsächliche Veränderungsbereitschaft getestet, um das Scheitern von Transformationen zu vermeiden, das einen völlig neuen Ansatz in der Unternehmensberatung bedeutet.
Eine besondere Herausforderung sieht Starker darin, ein Messverfahren für Unternehmen zu entwickeln, das u.a. den Widerspruch zwischen gewünschter Agilität und gleichzeitiger Kontrolle erfasst, oder zwischen gewünschter psychologischer Sicherheit und gleichzeitiger hoher Fehlerkultur, wodurch Innovationen im Keim erstickt werden. Gerade in großen Konzernen mit tayloristischen Strukturen ist die psychologische Sicherheit besonders niedrig.
Spannend ist eine amerikanische Langzeitstudie über zehn Jahre, die zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen in Krisen maximalen Fokus halten, überflüssige Initiativen streichen und ein stabiles Management praktizieren. Deutsche Manager hingegen agieren oft aktionistisch und drücken in Krisenzeiten gleichzeitig auf alle Knöpfe. Führungskräfte brauchen Zeit zum Nachdenken. Arbeitsunterbrechungen nehmen hierarchisch nach oben zu. Doch echte organisationale Resilienz entsteht durch fokussiertes Management mit innerer Stabilität. Einer der Gründe liegt vielleicht in der universitären Ausbildung, wo systemisches und zirkuläres Denken nur oberflächlich behandelt wird, obwohl lineares Wirtschaften längst nicht mehr funktioniert.
Zwei Drittel der Führungskräfte greifen in Krisen unbewusst zu autoritären Führungsstilen, nicht als durchdachte Strategie, sondern als Reaktivmodus zur Selbststabilisierung. Leider übernehmen Wirtschaftsmedien die „Kapitän-macht-die-Schotten-dicht“-Narrative unreflektiert. Gerade in Krisenzeiten muss man sich radikal auf das Mögliche fokussieren. Wie eine Umfrage bei 120 CEOs zeigt, waren 57 Prozent völlig dystopisch eingestellt, während die anderen 43 Prozent trotz schwieriger Umstände die Ärmel hochkrempeln und Lösungen suchen. Ständige Sorgen und Empörung versetzen den Körper in einen Bedrohungsmodus, was das logische Denken hemmt und Führungskräfte nur halb so leistungsfähig macht. Also, raus aus der Empörungs- und Jammerspirale und Beschwerden radikal abmoderieren! Wir brauchen eine Fokussierung auf Lösungen und bewusste Aufmerksamkeitslenkung sowie die Fähigkeit, die eigene Verfassung zu reflektieren.
Vera Starker und Simona Deckers sprechen in der Folge über:
- warum psychologische Sicherheit hilft, aus organisationalen Dilemmas herauszukommen,
- weshalb klassische Restrukturierung nicht funktioniert und klassische Führungsansätze gerade in Polykrisen versagen,
- wer der mutigste Reformer Deutschlands ist,
- welche Unterschiede es gibt zwischen strukturellem und psychologischem Empowerment.
- weshalb es andere Fähigkeiten braucht bei Krisenmanagement als bei Wachstumsgenerierung.
Der Podcast ist auf allen gängigen Streamingplattformen und findet sich auch unter diesem Link.
